Blinddarmentzündung

Es wurde wirklich unangenehm.

In den ungeheuerlich schlimmen Monaten ging es an die Substanz. Der Körper des Autors hatte keine Reserven mehr. Dann entzündete sich auch noch der Blinddarm. Auch kam es für ca. eine Woche zu einem Schmerz in der linken Leiste – der aber nur weh tat, wenn man atmete.

Da stand (oder lag) der Autor nun in seinem Abteil im Hospital, und wusste genau, dass er die nächsten 5 Minuten nicht überstehen würde. Und das ging in 5-Minuten-Schritten immer weiter – von Morgens bis abends, über den ganzen Tag hinweg. Nicht wegen der Operationsschmerzen, sondern aufgrund der verschachtelten Muskulationen, die jeden Körperpunkt von seinem angestammten Platz wegzerrten.

Ein Leiden dieser Stärke stellt ein Faszinuum dar, wenn man sich nur nicht so krümmen würde im Schmerz hoch x.

Bei aller Grübelei gibt es eine Konstante zu entdecken: Wenn das Fortschreiten der Krankheiten nicht mehr zu verhindern ist, wenn nichts mehr zu finden ist, welches einer Mühe wert wäre darüber nachzudenken, gibt es immer noch einen Haltegriff und Rettungsanker, der sich nicht bewegt: Wir können ihn an dem Wort „Hoffnung“ festmachen. Dieser Punkt bleibt, egal wie sich die Dinge entwickeln. Die Vokabel „Hoffnung“ hat fabelhafte Eigenschaften, denn sie befriedigt alle Bedürfnisse des oder der Verzweifelten. Unser augenblickliches Dasein geht unwiderruflich den Bach hinunter, die Hoffnung bleibt bestehen.

In der Enge, in der wir auf elementare Annehmlichkeiten, wie Ruhe und Angstfreiheit verzichten müssen, beantworten sich die Frage nach dem Lebenswillen. Da wir eine abgespeckte Version des Daseins für lebenswert halten, machen wir uns alle späteren, luxuriöseren Varianten unseres Daseins zu einem Geschenk, dessen Wert wir angenommen haben, selbst als er um einiges kleiner war.

Zum Trost für die, die es leichter haben: Der Mensch kann seine Existenz auch umfassend wertschätzen, ohne vorher verdroschen worden zu sein.

Wehren im Herbst

Häufig wird behauptet, dass im Herbst die Stimmung schlechter wird und dass das, was wir hier Implosionen nennen, und was woanders einen anderen Namen trägt, sich verschlimmert. Dies liegt nicht nur an den kürzer werdenden Tagen, und daran, dass eine „Schwermut“ und Müdigkeit drückt, sondern an folgendem:
Die Betroffene kommt aus warmer, sommerlicher Umgebung in kältere Temperaturen. Der Körper merkt, dass es notwendig ist, der Kälte gegenüber zu treten. Der Organismus beginnt sich zu wehren. Dadurch werden die paradoxen Muskulationen angetrieben.

1989

Die penetrant schlimmste Zeit ging über den Herbst des Jahres 1989. In Fernsehübertragungen war zu sehen, wie Menschen auf eine Mauer stiegen, die Deutschland jahrzehntelang geteilt hatte. Sie freuten sich über ihre neuen Möglichkeiten zu „lustwandeln“, wohin sie bislang nicht gehen durften. Es gab bei diesen Vorgängen keine Opfer zu beklagen. Niemand wurde verletzt oder getötet.

Der Autor saß in der Implosionshölle fest. Ein Ort, an dem sich übrigens eine Menge Leute aufhalten.

Während in der sichtbaren Welt gewaltlose Umwälzungen stattfinden, müssen ImplosionswehrerInnen gleichzeitige Formen der Gewalt ertragen. Nur so geht es weiter in dieser Welt. Das ist natürlich nicht leicht nachzuweisen.


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